“Swiss made” in Indien

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Auch in Indien fehlen Fachkräfte. Schweizer Firmen wie Rieter bilden deshalb vor Ort Leute aus.

Eine unzuverlässige Stromversorgung sowie schwierige Strassenverhältnisse sind nur einige der Probleme, die Schweizer Unternehmen in Indien zu schaffen machen. Um die Stromversorgung zu gewährleisten, greifen Firmen deshalb häufig auf eigene Generatoren zurück; oder sie müssen Pufferzeiten beim Transport einrechnen, wenn sie Waren von einer Fabrikationsstätte zur nächsten liefern wollen. Auch die Suche nach qualifizierten Fachkräften erweist sich oft als harzig.
Die staatlichen Institutionen wie das lokale Berufsbildungsinstitut ITI (Industrial Training Institute) bilden zwar Leute in technischen Berufen aus, doch westliche Unternehmen haben Mühe mit dem Niveau der vermittelten Kompetenzen. Für hiesige Gesellschaften ist es deshalb naheliegend, firmenspezifisches Know-how zu transferieren.

Selber ausbilden in Pune

So sind im Rahmen des im Jahr 2009 lancierten Programms «Swiss Vocational Education and Training Initiative India» (SVETII) Schweizer Bildungselemente exportiert und ist ein duales Ausbildungsmodell am Ort geschaffen worden. Rund 200 Lernende pro Jahr durchlaufen das Curriculum. Neben den Gesellschaften Bühler, ABB, Burckhardt Compression (vgl. nebenstehenden Artikel), Bobst, Starrag sowie weiteren Unternehmen ist auch der in Winterthur ansässige Textilmaschinenhersteller Rieter Teil der Initiative. Dabei arbeiten die Firmen mit dem Branchenverband Swissmem, der schweizerisch-indischen Gesellschaft Skillsonics sowie dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) zusammen.

Unbekanntes duales Modell

Die Auszubildenden müssen zuerst eine zweijährige Ausbildung am Berufsbildungsinstitut ITI absolviert haben, während deren sie sich vornehmlich theoretisches Wissen aneignen, bevor sie das unternehmensspezifische Training
durchlaufen können, das wiederum vermehrt Wert auf praktisches Know-how legt. So erhalten die Lernenden Instruktionen zur Handhabung von Messinstrumenten oder eignen sich die Fähigkeit an, Projekte und Aufgaben sinnvoll zu planen und dabei die Qualitätsvorgaben einzuhalten. Die Fabrikarbeiter sind sodann
etwa als Elektroniker, Monteure oder Schleifer tätig. Die Vorteile liegen für Rieter auf der Hand. Zum einen zeigen die Auszubildenden ein vertieftes Verständnis der Qualitätsanforderungen des Unternehmens. Zum andern können sie dank der Ausbildung auch gezielter kommunizieren und selbständiger arbeiten. Dies führt wiederum dazu, dass sich Herstellungsprozesse verbessern und damit die Produktionskosten reduzieren. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch. Nach Unternehmensangaben erkennt die indische Regierung das Schweizer Zertifikat noch nicht an, was sich allerdings künftig ändern dürfte. Fragt man beim Branchenverband Swissmem nach, so tönt der Erfahrungsbericht ähnlich. Dank dem dualen Modell profitierten die beteiligten Unternehmen von einer höheren Loyalität der Absolventen, die wiederum selbst als Ausbilder tätig sind und gleichzeitig ein höheres Ansehen im Unternehmen geniessen. Knacknuss ist jedoch unter anderem, das Verständnis für ein duales Berufsbildungsmodell stärker zu fördern, ist doch diese Art von Ausbildung auf dem Subkontinent kaum bekannt.

May, 21, 2016

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